Kopftuch-Shopping am Kottbusser Damm

Vor keiner Reise habe ich mehr über Kleidung nachgedacht: Wie lang, wie kurz, wie viel, wie wenig? Ich wusste, dass man als Frau in Somaliland Kopftuch tragen sollte. Aber ich wusste nicht wie. Also ging ich am Samstagmorgen vor der Abreise los, um etwas zum ersten Mal machen: Kopftuch-Shopping. Am Hermannplatz überlegte ich: Sonnenallee oder Kottbusser Damm – Naher Osten oder Türkei?– und entschied mich, nach links abzubiegen, in einen türkischen Laden. Drei Euro kostet das weiße Kopftuch, ein Euro das Untertuch.

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Mit Unter- und Kopftuch.

„Das brauchst du aber gar nicht“, sagt dann die Mama einer Schulfreundin meiner Tochter ein paar Tage später. Sie stammt aus Kairo. Wir sind zur Anprobe und Tee in ihrem Wohnzimmer verabredet. „Das Untertuch ist doch viel zu heiß. Lass’ es weg. Sie wollen nur sehen, dass du den Brauch respektierst“. Also gut, Untertuch kommt weg, weniger ist mehr. Und die Stecknadeln, rechts und links wie es mir die Verkäuferin am Kottbusser Damm gezeigt hat? Die achtjährige Schulfreundin meiner Tochter mischt sich ein. Sie winkt aufgeregt ab und fasst sich an den Hals und ruft: „Weglassen! Ich hab’ mir neulich damit richtig in den Hals gestochen!“

Dann trinken wir Tee, die drei Mädchen sitzen neben mir auf der Couch und wickeln mir eine nach der anderen das Tuch um den Kopf, bis ich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.

Ohne mit (und einem Teller gebratenem Ziegenfleisch mit Reis).

Ohne mit. Und einem Teller gebratenem Ziegenfleisch mit Reis.

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